Regionale Kulturlandschaft
Samtgemeinde Amelinghausen e. V.
, Hans-Friedrich Müller

Entkusselungsaktion in der Rehrhofer Heide mit „königlicher“ Hilfe

Entkusselungsaktion in der Rehrhofer Heide mit „königlicher“ Hilfe

 

 „Majestät Victoria“  mit ihren Untertanen  (Es sind nicht alle Helfer abgebildet)

 

Die wenigen erhaltenen Heideflächen in der Samtgemeinde Amelinghausen würden sich nicht  so bilderbuchartig zeigen und viele Naturliebhaber anziehen, wenn es nicht freiwillige Helfer gäbe, die mit ihrem tatkräftigen Einsatz die vielen kleinen Kiefern und Birken in regelmäßigen Abständen herausreißen und somit eine Verbuschung der Heide verhindern. Dass Verb „entkusseln“ ist von dem plattdeutschen Nomen “Kussel“ abgeleitet, womit eine  Anzahl von kleinen Bäumen gemeint ist.

Das Entkusseln der Heideflächen wird von RegioKult und den  vielen „Heidepaten“ aus der Samtgemeinde mehrmals im Jahr durchgeführt. Am Sonnabend, dem 15. September 2018, trafen sich 20 Helfer in der Rehrhofer Heide. Von 26 bis 82 Jahre waren alle Altersgruppen vertreten. Unter ihnen auch die Amelinghausenser Heidekönigin von  2015: Victoria Glaser. Das Wetter war für diese Aktion ideal und „Majestät Victoria“ ermunterte ihre Untertanen zur Arbeit, indem sie selbst kräftig mit anpackte und dem Prinzip eines aufgeklärten absolutistischen Herrschers folgte: Der König - hier die Königin -  ist der erste Diener seines  Staates.

Nach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden von RegioKult Jürgen Vogt erklärte uns Burkhard Jäkel von der Unteren Naturschutzbehörde Lüneburg, worauf man beim Entkusseln  achten muss. Die Kiefer kann oberhalb der Wurzel abgeschnitten werden, die Birke muss mit Hilfe eines Spatens  mit Stumpf und Stiel herausgerissen werden, damit sie nicht wieder austreibt. 

 

Burkhard Jäkel mit einer Kiefer und Birke in der Hand

 

Früher war diese Arbeit nicht erforderlich. Alle Voll- und Halbhöfe hatten eine  Heidschnuckenherde, die das ganze Jahr die Heideflächen und  im Herbst und Winter auch die abgeernteten Ackerflächen  abgraste.  Die Zahl der Schnucken war z. T. größer als das Nahrungsangebot, so dass  kleine  Birken und Kiefern keine Überlebenschance hatten. 

Friedhelm Meyer in Aktion   

 

Am Anfang des 20. Jahrhundert gab es nur noch wenige Bauern mit einer großen Schnuckenherde. Es gab nun die weiche Baumwolle, die nicht so kratzig war wie die  Schnuckenwolle. Außerdem waren die Lohnkosten gestiegen, die Allmende durch die Verkoppelung unter den Bauern aufgeteilt und z. T in Ackerland umgewandelt oder mit Kiefern aufgeforstet. Durch den Mineraldünger konnten auch Böden mit einem größeren Sandanteil ackerbaulich bewirtschaftet werden.Der Arbeitseinsatz hat allen Beteiligten viel Spaß gemacht. Die Belohnung war das schöne Wetter und nach Beendigung der Entkusselungsaktion gab es eine  kräftige Stärkung  (in fester und flüssiger Form) vor dem historischen Wollschuppen auf dem Rehrhof.

Das Bier schmeckt nach der Arbeit 

 

Vielleicht sind Sie, liebe Leser,  das nächste Mal auch dabei?!    Hans-Friedrich Müller für RegioKult